amyiluu

Kalte Schauer der Geschichte

Ich habe Angst, weil sich Alles so wunderbar zusammenfügt.

So wunderbar zusammenfügt zu einer Katastrophe, deren Ausmass wir nicht einmal im Ansatz erahnen können.

Und die Frage die bei alldem ganz am Anfang steht ist, in welcher Gesellschaft werden wir leben oder in welcher leben wir bereits ohne auch nur diese Dimension zu begreifen.

Ich gehöre der gleichen Generation an, wie unser neuer Bundeskanzler und ich kann mich an diesen Typus Mensch aus meiner Schulzeit noch sehr gut erinnern.

Eine kleine Vorgeschichte dazu, ich gehörte der soviel zitierten sozial schwachen Schicht an, trotzdem war es meiner Mutter immer ein immenses Anliegen ihre Kinder in gute Schulen zu schicken, so waren meine Brüder zuerst im Theresianum und später dann am Akademischen Gymnasium.

Sehr zum Leidwesen meiner Mutter, war ich für diesen Plan, so gar nicht zu begeistern und weigerte mich strikt aufs Gymnasium zu gehen.

Ich konnte und wollte mir meine Zukunft als Volkschulknirps einfach nicht mit soviel Hausaufgaben wie meine Brüder vorstellen.

Die Volkschule endete und ich besuchte eine Hauptschule im 2. Bezirk und auch die interessierte mich wenig, weshalb ich, begünstigt durch die Scheidung meiner Eltern, diese auch nur sporadisch besuchte, manchmal schrieb ich von 3 Schularbeiten nur Eine und das reichte.

Irgendwann bemerkte ich, dass alle Mädels aus den bereits abgegangen Klassen im besten Fall eine Frisörlehre starteten und oder schwanger wurden. Das klingt jetzt hart, schaute aber bei den Burschen nicht anders aus, die wurden halt Maler oder Mechaniker. Aus meinem Jahrgang besuchten später überhaupt nur drei eine weiterführende Schule.

Und ich begann an meiner Entscheidung zu zweifeln, sehr zur Freude meiner Mutter, die den günstigen Zeitpunkt nutzte und mich sofort unterm Schuljahr ins Akademische Gymnasium buxierte, waren meine Brüder ja auch mal hier gewesen.

Da stand ich nun in diesem wunderschönen alten Gebäude, was allein schon etwas ehrfürchtiges ausstrahlte, am Weg in meine neue Klasse.

Es dauerte nicht lange und ich hatte meine Klasse gerade noch rechtzeitig gefunden, es läutete bereits zur Stunde. Doch die Tür stand noch offen und ich blickte hinein in den Wahnsinn.

Es war laut, die Jungs spielten Fussball quer über den ganzen Klassenraum, der an sich schon völlig versifft und abgewetzt wirkte. Die Mädchen standen in immer wieder laut kreischenden Grüppchen zusammen und kicherten um die Wette.

Ich blieb wie angefroren vor der Türe stehen, als mich die heranwackelnde sicher hundert Jahre alte Zeichenprofessorin mit in den Raum schob.

Sie nahm von mir keine Notiz und der Rest der Klasse von ihr auch nicht, dies änderte sich auch nicht, als ein Apfel aus der letzten Reihe mit so einer Wucht knapp neben ihr auf der Tafel einschlug, dass er pürriert langsam wieder von der Tafel floss, ohne dass irgendjemand ausser mir auch nur im geringsten davon Notiz genommen hatte.

Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus und nahm Platz und versuchte mir meine Verwunderung nicht anmerken zu lassen.

Ein derartiges Verhalten in der Schule war mir komplett fremd, in der Hauptschule wurde sogar der lächerlichste Lehrer mit einem gewissen Grundrespekt behandelt und es war still mit dem Läuten und hier?

Ich musste sehr schnell feststellen, hier weht in jeder Richtung ein anderer Wind. Ich musste sogar in Musik nachlernen, da mir natürlich die Notenlehre bis dahin auch versagt blieb und es war auch jeder Lehrkraft völlig egal ob diese Anforderung machbar sind oder nicht, den ich gehörte hier sowieso nicht her.

Was sie mir nur in seltenen Fällen direkt ins Gesicht sagten, erklärten sie dann mit bedauerlicher Miene meiner Mutter am nächsten Elternsprechtag. Ich werde es vermutlich nicht schaffen und das Jahr wiederholen müssen.

Tja es sollte anders kommen und ich schaffte es irgendwie doch gegen jeden Widerstand und oft auch sehr knapp.

In der Klasse war ich von Grund auf irgendwie nicht dabei aber doch akkzeptiert. Ich konnte mit der KellyFamily nichts anfangen, noch strebte ich einen Sportlerkarriere an und von meinem letzten Karibikurlaub konnte ich auch nicht erzählen oder darüber philosophieren, welches Fahrrad im Wert eines Kleinwagens es als nächstes sein müsste. Ich hatte gar kein Fahrrad und war mehrheitlich froh nicht in der Schule oder mit meinen Klassenkameraden Zeit verbringen zu müssen.

Im nächsten Jahr verbesserten sich überall meine Noten ausser in Mathematik nur diesmal hatten Alle das gleiche Problem, es gab bei jeder Schularbeit fast ausschließlich negative Noten und man merkte auch an meinen Klassenkameraden, den gestiegenen Druck von zu Hause, schließlich sind sie ja die nächste Elite.

Es kam wieder ein Elternsprechtag und bei diesem Elternsprechtag gab es gut gefüllte Kuverts beim Reingehen und Keine beim Rausgehen und oder auf einmal doch einen neuen Kaffeeautomaten, obwohl sich die Schule den nicht leisten konnte.

Naiv wie ich war, stellte ich erst am Ende des Jahres fest, dass zwar alle fast die gleichen Noten haten, aber nur ich eine Prüfung über Aufstieg oder Abstieg.

Von 5 auf 1 ging also ganz leicht mit einem neuen Kaffeeautomaten.

Ich habe in dieser Zeit viel gelernt, wirklich sehr viel gelernt unter anderem das Schreiben und das in jeder dort gelehrten Sprache , leider manchmal so gut, dass sich manche Lehrer auch vor mir fürchteten.

Ich wechselte schlussendlich nach einer lautstarken Konfrontation mit meinem Klassen –und MatheLehrer, in der er meinte, es wäre besser für mich einen Bügelkurs an der Volkshochschule zu absolvieren, die Schule auch gegen den massiven Widerstand meiner Mutter.

Warum mich diese Episode aus meinem Leben immer wieder an unseren neuen Bundeskanzler erinnert, hmmm

Wir hatten da zwei in dieser Klasse, genauso geleckter Haarschnitt und Erscheinungsbild, der Eine sogar ähnliche Ohren.

Im zarten Alter von 14 mit Anzughose, Hemd und V- Auschnitt Pulli von klein auf dazu getrimmt sich in jeder Form anzupassen und keine eigene Entwicklung anzustreben.

So blieb Ihnen und auch dem Rest der Klasse nur sich dem Diktat zu fügen oder zu brechen, die große Mehrheit entschied sich für die Fügung und gehen bis Heute den Weg, den Ihre Eltern für sie bestimmt haben.

Ich war mit diesen Menschen täglich mehrere Stunden eingesperrt und das in der rebellischten Phase ihres Lebens, der Pubertät und die einzige Rebellion war demonstrativ eine Zigarette zu rauchen oder die Haare lila zu färben und das auch nur um wieder irgendwie dazu zugehören.

Eine Generation von der genauso wie bei jeder Generation davor erwartet wurde, ihr sollt es mal besser haben, als eure Eltern und das funktioniert am Besten über mitspielen.

Immer mehr Anforderungen in immer kürzeren Zeit. Vielleicht schon chinesisch im Kindergarten? Immer weniger Zeit und Raum für die eigene Entwicklung um möglichst bestens gerüstet zu sein für die neuen Anforderungen und Kinder auf der Suche nach Wärme, Liebe und Halt machen mit.

Kein Interesse und vor allem keine Notwenidigkeit diesen Weg jemals zu hinterfragen.

Mir haben meine Mitschüler damals mehrheitlich Leid getan, da ich hautnah miterleben durfte, was in unserer Gesellschafft der Preis für Wohlstand ist, die Aufgabe der eigenen Identität und der Preis ist verdammt hoch.

Es wurde hier erstmalig eine Generation im Besten Wissen und Gewissen hochgezüchtet, die rein an ihrer Anpassungsfähigkeit und nicht an ihrer wahren Leistung gemessen wurde. Irgendwann kam dann noch das Internet und die sozialen Medien hinzu, was nicht nur wieder zu einer zeitlichen Dezimierung der freien Zeit im Kopf führte, sondern dieser Generation auch noch das Handwerkzeug in die Hände gelegt hat um diesen oberflächlichen Optimierungswahn ohne Inhalt in einfachen künstlich optimierten Bildern ohne Aufwand unters Volk zu bringen.

Selbstdarstellung als einzig erkennbare Qualität unzähliger Möchtegerns und Adabeis . Wo Meinungsmacher eine hippe Berufsbezeichnung ist und eine Meinung haben, sich nicht einmal mehr im gleichen Satz treffen müssen. Wo die vom Mensch geschaffene Gottheit Geld die Entscheidung über Leben und Tod trifft, über Sieg und Versagen, über Auf – und Abstieg.

Wir opfern dieser neuen Gottheit Alles und fühlen uns so unendlich frei wenn wir mit unserem neuen Handy jetzt auch von der Sahara ein Selfie schicken können und bewundern gleichzeitig die Menschen die dort ganz ohne dem Leben.

Weil wenn wir dann auf der einsamen Insel sitzen, bei den Menschen die nur die Natur und sich haben, merken dass es in Wahrheit darum ginge und auch das 1000 Like keine menschliche Umarmung aus tiefster Seele ersetzen kann, sich nicht einmal damit messen kann und man ganz ohne Besitz oft viel glücklicher ist.

Und dann lese ich das neue Regierungsprogramm und ich kann sehen wie Alles ineinander fliesst und ich habe nur noch Angst.

Hohle kurzsichtige Phrasen, deutlich spürbare komplette Polarisierung in jedem Themenbereich, maximal Ablenkung und ein immer härter werdender Lebenskampf, plus medial am Leben erhaltene Hoffnung, doch noch mitspielen zu dürfen, wenn nur die bösen Ausländer raus sind.

Präsentiert von einem jungen Burschen, dem seinige einzige Leistung es bisher war keine eigene Meinung zu haben und nlplisiert dir das Gefühl zu geben er hätte Deine.

Unweigerlich spüre ich die kalten Schauer der Geschichte über meinen Rücken ziehen.

Muss sich die Geschichte wirklich immer wiederholen und vor allem Heute, Globalisierung hat hingegen vieler Annahmen nicht nur Vorteile.

Und ich stelle mir schön langsam die Frage ob sich irgendwer ausser mir überhaupt noch die Frage stellt:

 

In welcher Gesellschaft wir leben WOLLEN und nicht in welcher wir scheinbar leben müssen?

Weiterführende LINKS in leicht konsumierbaren Bildern

Mit den Roten hat er wenigstens Schluß gmacht – Der Bockerer 1981

Idiocracy – Trailer

Die Presse ÖVP/FPÖ Jetzt kommt Hartz 4

Stephan Schulmeister Zum aktuellen Regierungsprogramm 18.12.2017
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Dieser Beitrag wurde am Dezember 19, 2017 um 1:20 pm veröffentlicht. Er wurde unter Blog, Momentaufnahmen abgelegt und ist mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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